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10. JUN 2018

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Readly Express - liebe Grüße vom »anderen Stern«

Timo Nurmos hatte nicht zuviel versprochen: »Readly Express arbeitet phantastisch, ich kann keinen Makel entdecken«.

Und man weiß nicht, was man mehr an dem schweigsamen Finnen bewundern soll: Dass er mit dem Prix d´Amérique-Sieger den eigentlich geplanten Auftritt im Elitloppet hatte sausen lassen, was sicherlich gut fürs Pferd war, weil er ihn nach der ausgedehnter als geplant verlaufenen Decktätigkeit nicht ohne Vorbereitungsmatch in ein Zwei-Heat-Rennen schicken wollte. Oder wie er den braunen Bomber nach vier Monaten kreativer Auszeit stärker herausbrachte als je zuvor - zumindest in Schweden.

Das kleine Östersund, abseits der großen Routen, 550 Kilometer nordwestlich von Stockholm mitten im Wald am Störsjö (Großen See) gelegen, durfte sich glücklich schätzen, für den Jämtlands Stora Pris einen solchen Crack zu begrüßen, und hatte sich dafür mit Kaiserwetter - keine Wolke am Himmel bei 22 Grad - festlich geschmückt. 7.421 Zuschauer vor Ort wollten Schwedens großen Hoffnungsträger der kommenden Jahre für die internationale Bühne sehen, und der neue Traber-Kaiser gab seinen Anhängern kräftig »Zucker«.

Natürlich war der Ready Cash-Sohn, der so ganz anders als die Mehrzahl seiner »väterlichen« Geschwister mit einer wahren Bierruhe gesegnet ist, der glasklare Favorit, doch hielt die 2140 Meter-Prüfung durchaus einige Stolperstellen parat. Das ging bei der Startplatz-Auslosung los, bei der ihm mit der »10« die zweite Reihe zugeschanzt wurde, und mit einigen Unwägbarkeiten bezüglich der übrigen Kandidaten weiter. Charrua Forlan, Volstead, Day or Night In, Heavy Sound, Love Matters - sie alle hatten über die Kurzstrecke heuer schon Resultate in blanken 1:10 oder darunter erzielt, und Trendy OK, die Varenne-Tochter aus Alessandro Gocciadoros erfolgverwöhnter Stutenriege, die Reise in den hohen Norden mit einem feinen Vorlaufsieg im Gran Premio della Lotteria in Neapel angetreten.

So verwunderte es nicht, Readly Express bei immerhin 16:10 blinken zu sehen. Die Antwort, die der Sechsjährige »aufm Platz« allen Zweiflern gab, war geradezu »brutal«. Am Vierkampf um die Spitze, aus dem sich nach 250 Metern ganz innen Charrua Forlan als Erster ausklinkte und Volstead gegen Trendy OK und den ganz außen auf die Tube drückenden Day or Night In die besten Karten hatte, hatte er selbstredend keine Aktie. Als sich der Pulverdampf dieses ersten Scharmützels gelegt hatte und sich Volstead vor Charrua Forlan, Day or Night In, Beau Mec und Anna Mix nach 500 Metern in 1:07,3 endlich der Führung sicher sein durfte, war Readly Express hinter Trendy OK und Love Matters im dritten Paar außen untergekommen.

Lange hielt es den fliegenden Finnen und seine vierbeinige Rakete dort jedoch nicht. Unter dem Raunen von Fans und ATG-Moderatoren machte sich das nur für die Frankreich-Aufgaben getrennte »Dream-Team« nach 700 Metern über Spur drei auf an die Seite des Führenden, was bei 1:10,3 für diesen ersten Kilometer ein schwierigeres Unterfangen war, als es in der Praxis aussah. Geradezu euphorischer Jubel brandete auf, als Kontio nach 1:10,2 für 1500 Meter das nächste Blatt auflegte. Im Nu stand Volstead auf verlorenem Posten, hatte Readly Express zwei Längen Vorsprung herausgeholt und bat zur Parade der letzten 250 Meter.


Ein bisschen rüttelte Jorma Kontio hin und wieder, um ihn so allein auf weiter Flur vor dem »Einschlafen« zu bewahren, doch Gefahr, diesen, seinen 22. Sieg aus lediglich 26 Einsätzen, samt zugehöriger Gage aus den Hufen zu geben, bestand zu keiner Sekunde, so dass die Ohrenwatte drin blieb. Nach finalen 500 Metern in 1:09,7 war der 700.000 Kronen-Scheck auf dem Konto - macht 15.733.709 Kronen insgesamt. Bis weit in die Zielgerade schien Trendy OK trotz des kernigen Anfangspensums für den Ehrenplatz unantastbar. Dann kreuzte Diamanten aus dem vierten Paar weit außen in riesiger Haltung auf, entriss der Varenne-Tochter um eine halbe Länge »Silber« und unterstrich nachdrücklich, dass seine schwache Vorstellung am 12. Mai in Åby als »Betriebsunfall«, der ihn die Teilnahme am Elitloppet gekostet hatte, ohne nachhaltige Wirkung zu sehen sei.

Love Matters, eine halbe Runde vor dem Ziel in dritter Spur nicht wirklich zwingend auf der Pirsch, hielt die innen bestens aufgehobenen Beau Mec und Anna Mix für die vierte Prämie deutlich in Schach. Ein begeisterter Jorma Kontio gestand: »Readly war unglaublich, fühlte sich über den gesamten Weg schlichtweg großartig und hat ganz leicht gewonnen. Er und Varenne - das sind die besten Pferde, die ich je in Händen hatte«. Und Timo Nurmos ergänzte: »Man mag es fast nicht glauben, aber er hat sich im letzten halben Jahr, obwohl er ja nun schon sechsjährig ist, nochmals weiterentwickelt und hat jetzt alles, was es für einen Weltstar braucht. Ich fühlte, dass er gut drauf sei, denn im Training lag er prächtig in der Hand, obwohl ich nie schneller als 1:20 gefahren bin. Nun werden wir sehen, wie er dieses Rennen verdaut hat, und nach weiteren Betätigungsfeldern suchen«.

In Boden, Schwedens nördlichster Rennbahn, hofft man inständig, ihn bereits in einer Woche zum eine Million schweren Norrbottens Stora Pris unter der Mitternachts-Sonne begrüßen zu können. Eine ähnliche Konstellation wie in Östersund ist auch dort gegeben, denn wie dieses Mal mit dem Oslo Grand Prix hat die Konkurrenz dann den Kymi Grand Prix zur Auswahl. »Abwarten«, war die ausweichende Antwort des Trainers auf entsprechende Avancen.

Sein »Matador« reiht sich in eine überaus anspruchsvolle Siegerliste ein, die mit Zoogin (1995 bis 1997) beginnt, über Vierfach-Sieger Victory Tilly, der von 2000 bis 2006 mit je einem Jahr »Auszeit« regierte, Scarlet Knight, Torvald Palema zu Iceland eine Fülle erstklassiger Namen aufweist - und jenen Bagleys, mit dem Conrad Lugauer 2013 für den Stall Adamas den Riesen-Coup landete. Mit blanken 1:10 verbesserte Readly Express den Rennrekord von Call Me Keeper aus dem Jahr 2016 um sage und schreibe 1,4 Sekunden in eine neue Dimension. - (mw)

ERGEBNIS

Samstag, 09.06.2018
Östersund / Schweden
Jämtlands Stora Pris
1.276.000 Skr - 2140 m Autostart
FFA

1.Readly ExpressJorma Kontio1:10,016
2.DiamantenErik Adielsson1:10,1151
3.Trendy OKAlessandro Gocciadoro1:10,1278
4.Love MattersÖrjan Kihlström1:10,474
5.Beau MecCarl Johan Jepson1:10,6393
6.Anna MixKim Eriksson1:10,6182
7.Day Or Night InJohan Untersteiner1:10,8135
8.Charrua ForlanHans-Owe Sundberg1:10,8272
9.VolsteadUlf Ohlsson1:11,4123
10.Heavy SoundKenneth Haugstad1:12,270

Readly Express - 5j. H. v. Ready Cash a.d. Caddie Dream v. Viking Kronos
Sieg: 16:10 - Platz: 11 - 22 - 34:10 - Zwilling: 126:10 - Dreierwette: 1.937:10

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